Geschichtlicher Hintergrund

Die Weimarer Republik:

Die neue politische Struktur, die sich in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg bildete und die oft als Weimarer Republik bezeichnet wird, sollte gerade einmal vierzehn Jahre lang bestehen. Während ihrer kurzen Existenz wurde sie zudem noch von zahlreichen Krisen geschüttelt, wie etwa Hyperinflation, politischem Extremismus und Konflikten mit den alliierten Siegern des Ersten Weltkriegs.

Doch inmitten dieser Phasen der Auseinandersetzung, von etwa 1924 bis ungefähr 1929, gab es eine Zeit, die später als Goldene Ära von Weimar bezeichnet wurde. Die Situation in Deutschland hatte sich wieder beruhigt. Die Menschen erholten sich von den Schrecken von Krieg, Hunger und Revolution. Es wurden neue Arbeitsplätze geschaffen und neues Geld floss. Unglaubliche Durchbrüche in der Wissenschaft fanden statt. Kunst, Kultur und Architektur erlebten ebenfalls eine neue Blütezeit.

Die Geschichte von Immertreu spielt genau in dieser turbulenten Zeit.
 

Geschlecht und Sexualität:
Berlin in den 1920er Jahre war ein vergleichsweise liberaler Ort. Auch Menschen, die nicht in das starre Korsett passten, dass die Mehrheit der deutschen Gesellschaft für Geschlecht und Sexualität als angemessen empfand, konnten hier für eine kurze Zeit so etwas wie Freiheit erleben (zumindest im Vergleich zu den Jahrzehnten davor und danach). Für Immertreu werden wir dies sogar noch etwas freizügiger interpretieren.

Die meisten Charaktere können als männlich, weiblich oder nicht-binär gespielt werden. Alle Teilnehmenden können frei entscheiden welches Geschlecht sie mit ihren Charakteren bespielen wollen.

Die Ringvereine:

Die Berliner Ringvereine der 1920er Jahre sind ein faszinierendes Thema. Überall auf der Welt und zu allen Zeiten haben Verbrecher Banden gebildet, um sich gegenseitig zu unterstützen und ihre "Geschäfte" zu fördern. Selten jedoch haben organisierte Kriminelle so offen und derart von Behörden und Gesellschaft respektiert agiert, wie im Berlin der Zwischenkriegszeit.

Für eine Weile beherrschten diese gildenartig organisierten "Gentleman-Gauner" (als die sie sich selbst gerne sahen und inszenierten) die Unterwelt der Stadt.

 

Heutzutage sind die Ringvereine und ihre Mitglieder fast in Vergessenheit geraten, ebenso wie ihre – oft brutalen und alles andere als Gentleman-artigen – Verbrechen. In ihrer Blütezeit erlangten sie jedoch großen Ruhm und inspirierten zahlreiche Geschichten, die sie romantisierten oder verurteilten.


M:
Eine der bekanntesten frühen filmischen Auseinandersetzungen mit den Berliner Ringvereinen dürfte der 1931 gedrehte Film "M" von Fritz Lang sein, in dem es um einen von Polizei und Gaunern gleichermaßen gejagten Kindermörder geht. Es basiert nicht nur auf einer wahren Begebenheit, sondern hat auch zahlreiche echte Mitglieder von Ringvereinen als Statisten eingebunden.


Lang selbst wurde zudem vom Vorsitzenden des Ringclubs Immertreu „überzeugt“, ihn und andere Immertreu-Mitglieder als „Leibwächter und Berater“ einzustellen, um sicherzustellen, dass „bei der Produktion nichts Schlimmes passiert“.